Date: Monday, 06 September 2010
 
 
Zwischenergebnisse (German only)

1              Hintergrund und Zielsetzungen des Projektes

1.1        Anlass und Ziele

Ziel des Projektes ist die Entwicklung und Implementierung anwendungsorientierter Natur- und Umweltschutzprojekte in Bulgarien und Rumänien und die Etablierung eines Netzwerkes von Praxisexperten, insbesondere zwischen deutschen, rumänischen und bulgarischen Großschutzgebieten. In diesem Rahmen sind je fünf rumänische und bulgarische Nachwuchsführungskräfte aus dem Bereich Naturschutz und Regionalentwicklung als Trainees in deutschen Großschutzgebieten und anderen Naturschutzorganisationen tätig. Insgesamt wirken sie zwei mal zwei Monate in der jeweiligen Institution mit und werden durch sechs begleitende Seminare bzw. Workshops auf die jeweilige Projekterarbeitung und -entwicklung vorbereitet.

Das Projekt nimmt Erfahrungen der DBU und der Projektpartner im Bereich der Umwelt- und Naturschutzförderung in Ländern Mittelosteuropas auf und erprobt neue Strategien zur Unterstützung eines zukunftsweisenden Naturschutzes in Verbindung mit praxisorientierten Konzepten der Regionalentwicklung in Rumänien und Bulgarien.

Die bevorstehende Integration der Länder Rumänien und Bulgarien in die Europäische Uni­on bietet im Hinblick auf den Naturschutz große Chancen, da es sich um Regionen handelt, die hinsichtlich ihrer naturräumlichen Ausstattung und Biodiversität die Gemeinschaft um einmalige natürliche Lebensräume und Großschutzgebiete erweitern. Gleichzeitig werden den Beitrittskandidaten erhebliche Anstrengungen in allen Politikfeldern zur Anpassung an europäisches Regelwerk abverlangt. Diese Anpassungen erfordern entsprechendes Know-how in den vorhandenen staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen. Die Übernahme des Aquis Communautaire im Umweltbereich – und hier speziell in den Feldern Naturschutz (Natura 2000), Regionalentwicklung und Agrarpolitik – ist ohne externe unterstützende Maßnahmen, insbesondere regionaler und lokaler Akteure, nicht zu bewältigen, wie die Erfahrungen mit dem vorausgegangenen EU-Erweiterungsschritt gezeigt haben.

Nur dann, wenn innovative, zukunftsfähige Instrumente, z. B. des Managements von Schutzgebieten, der Umweltplanung und der Regionalentwicklung, den relevanten Akteuren aus eigener Anschauung bekannt sind und vor Ort genutzt werden, können die genannten Herausforderungen bewältigt werden.

Vor diesem Hintergrund wird im Rahmen des trilateralen Projektes ein spezielles Traineeprogramm mit integrierter Projektentwicklung erprobt, dessen Elemente und Methoden in Kapitel 2 erläutert werden.

1.2        Das Projekt NatuRegio im Vergleich

Der Austausch von Fachwissen und Informationen insbesondere mit Ländern Mittel- und Osteuropas ist in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Instrument der Förderung der europäischen Integration und zur Unterstützung nachhaltiger Entwicklungsperspektiven in West und Ost geworden.

Eine Reihe von Organisationen aus Forschung, Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden ist in diesem Feld aktiv und bietet unterschiedlichste Programme an. Breiten Raum nehmen dabei klassische Stipendien- und Austauschprogramme von Universitäten ein, die auf Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses gerichtet sind (u. a. DAAD, Erasmus). Im Bereich der berufsbegleitenden Weiterbildung, insbesondere in Verwaltungen, sind EU-Twinningprogramme recht weit verbreitet.

Dabei stehen neben den eher auf technischen Know-how-Transfer ausgerichteten Organisationen (GTZ, BMBF) bei anderen Organisationen insbesondere die Bereiche Verwaltung, Wirtschaft und Politik im Vordergrund (u. a. InWEnt, ICLEI e.V., DIE, Robert Bosch Stiftung, AER und IHK). Eine kleinere Gruppe an Organisationen und Verbänden (z. B. APOLLO e.V., Robert Bosch Stiftung, AER, InWEnt und ICLEI e.V.) bietet dagegen auch Projekte und Programme für Landwirtschaft, Umwelttechnologien, Umweltschutz und Ökotourismus an. In der Regel handelt es sich dabei um Qualifizierungsansätze, die nicht unmittelbar mit eigenen Projektaktivitäten der Teilnehmer verbunden sind. 

In Rumänien und Bulgarien beinhaltet das Programm der InWEnt gGmbH Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zur Unterstützung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus, der Entwicklung und der Zusammenarbeit. Einen Schwerpunkt bildet dabei der Bereich Wirtschaftsverwaltung, Bankwesen, Unternehmen. Daneben bietet InWEnt Programme zur umweltorientierten Unternehmensführung und Umwelttechnologie an.

Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme im Bereich des Umwelt- und Naturschutzes sind im Vergleich dazu in dieser Region nicht so weit verbreitet. Zu nennen sind hier beispielsweise die Aktivitäten der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, der Föderation Europarc und der Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur).

Vor diesem Hintergrund verfolgt das NatuRegio-Vorhaben einen projektorientierten Ansatz für Fach- und Führungskräfte aus dem Bereich Naturschutz, insbesondere aus Großschutzgebieten, bei dem praktische Erfahrung durch Aufenthalte in Naturschutzinstitutionen und Großschutzgebieten Deutschlands einerseits sowie Informations- und Wissenstransfer in Fachseminaren andererseits mit der Entwicklung und Implementierung von Projekten in Bulgarien und Rumänien verbunden werden.

2              Vorgehensweisen und Methoden

2.1        Traineeprogramm

2.1.1        Zielgruppe

Der Erfolg eines nachhaltigen Umweltschutzes und einer zukunftsfähigen Regionalentwicklung hängt nicht nur von den gesetzlichen Vorgaben ab, sondern in hohem Maße von den Fähigkeiten und dem Wissen der regionalen und lokalen Fachleute. Das NatuRegio-Projekt sieht sein Konzept als unterstützende Maßnahme auf dem Weg dorthin und richtet sich deshalb an Fachleute aus Natur- und Umweltschutzbehörden, Organisationen und Großschutzgebieten. Angesprochen wurde die Gruppe der 25- bis 40-Jährigen, da diese bereits Erfahrungen in ihrem jeweiligen Tätigkeitsbereich sammeln konnten und innerhalb ihrer Organisation teilweise schon eine günstige Position für die Umsetzung von Umweltschutzprojekten besetzen oder in näherer Zukunft besetzen werden.

2.1.2        Aufenthalte in Gastinstitutionen

Während ihres zweimal zweimonatigen Aufenthaltes in Deutschland verbringen die Trainees den praktischen Teil des Projektes in Großschutzgebieten und Umweltschutzorganisationen in Deutschland und erwerben durch die Teilnahme an den alltäglichen Abläufen praktische Erfahrungen im Naturschutz, Schutzgebiets- und Tourismusmanagement sowie in der nachhaltigen Regionalentwicklung.

Für diese Aufenthalte sind die folgenden Organisationen und Großschutzgebiete angeschrieben worden:

        die deutschen Nationalen Naturlandschaften (alle Nationalparke, Biosphärenreservate sowie Naturparke)

        die Umweltministerien auf Bundes- und Länderebene sowie das Bundesamt für Naturschutz

        die im BANU (www.banu-akademien.de) organisierten Umweltakademien

        die Bundes- und Landesgeschäftsstellen des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie weiterer Natur- und Umweltschutzverbände

Nach der Auswahl der Trainees Anfang Juni 2006 wurden diese möglichst entsprechend ihrer beruflichen Qualifikationen und Interessen auf die Gastinstitutionen verteilt. Bei konkreten Wünschen der Trainees wurden Institutionen gezielt auf ihre Betreuungsbereitschaft angesprochen. Aus logistischen Gründen und aufgrund eigener Wünsche werden einige Trainees in zwei verschiedenen Gastinstitutionen hospitieren, so dass die Gesamtzahl der Gastinstitutionen größer als zehn ist. 

Nach den o. g. Kriterien wurden die folgenden Gastinstitutionen ausgewählt:

        Biosphärenreservat Mittelelbe (Dessau)

        Bundesamt für Naturschutz (Bonn)

        Föderation Europarc (Grafenau)

        NABU Wasservogelreservat (Fehmarn)

        Nationalpark Bayerischer Wald (Grafenau)

        Nationalpark Berchtesgaden (Berchtesgaden)

        Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer (Wilhelmshaven)

        Nationalpark Unteres Odertal (Schwedt OT Criewen)

        Nationalpark Sächsische Schweiz (Bad Schandau)

        Naturpark Dübener Heide (Tornau)

        Naturpark Saar-Hunsrück (Hermeskeil)

        Naturpark TERRA.vita (Osnabrück)

        Niedersächs. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (Hannover)

        Otter-Zentrum (Hankensbüttel)

        Stiftung Europäisches Naturerbe – Euronatur (Radolfzell)

 

 2.1.3        Wochenseminare

Der Seminarteil des NatuRegio-Projekts umfasst fünf jeweils einwöchige Veranstaltungen und einen Abschlussworkshop, in denen die Trainees Hintergrundinformationen und aktuelle Beispiele sowohl von Praktikern des Umwelt- und Naturschutzes als auch von Wissenschaftlern der Universität Lüneburg kennen lernen.

Ein weiteres Ziel der Seminare ist die Vorbereitung der Trainees auf die Entwicklung und Umsetzung von Naturschutzprojekten in Bulgarien und Rumänien, z.B. in Verbindung mit Regionalentwicklungsfragen, Tourismus, Besucherlenkung oder Öffentlichkeitsarbeit.

In jeder der bisher drei durchgeführten Seminarwochen lag der inhaltliche Schwerpunkt neben der Projektplanung auf einer anderen ergänzenden Thematik. Die erste Seminarwoche diente der Erweiterung der englischen Sprachkompetenz mit einem Training häufig verwendeter Fachbegriffe im Bereich Naturschutz und Landschaftspflege in englischer Sprache sowie der Einführung in das deutsche und europäische Naturschutzsystem. In der zweiten Seminarwoche standen u. a. die Themen Ökotourismus, Konfliktmanagement und Biodiversität auf dem Programm. In der dritten Seminarwoche wurden die Themen Besuchermanagement und Umweltinterpretation (Environmental Interpretation) behandelt.

2.1.4        Vorgehensweise zur Entwicklung von Teilnehmerprojekten

Im Hinblick auf eines der zentralen Ziele des Gesamtprojektes – die Entwicklung und Realisierung modellhafter Projekte des Naturschutzes und der Regionalentwicklung – wurden entsprechende Schulungseinheiten als regelmäßiger Bestandteil in die Seminarprogramme aufgenommen. Diese haben das Ziel, die Trainees bei der Entwicklung und Konkretisierung ihrer Vorhaben zu unterstützen, so dass zum Ende des Aufenthaltes in Deutschland konkrete, umsetzungsreife Projektplanungen vorliegen. Für die Realisierung dieser Projekte stehen bis zu 3.000,- Euro je Trainee bereit. Darüber hinaus wird ein interner Projektwettbewerb durchgeführt, in dessen Rahmen zwei besonders herausragende Projektansätze mit je bis zu 15.000,- Euro unterstützt werden können.

Die Voraussetzungen der Trainees und ihre Erfahrungen bei der eigenständigen Entwicklung und Planung von Projekten werden als sehr unterschiedlich eingeschätzt. Beim größeren Teil der Trainees ist ein eher begrenztes Erfahrungsniveau bezüglich formalisierter Antragsverfahren vorhanden. Einzelne Trainees verfügen jedoch durchaus auch über internationale Erfahrungen in diesem Bereich. Diese differierenden Ausgangsbedingungen waren bei Durchführung der entsprechenden Seminareinheiten zu berücksichtigen.

Im Verlauf der bisherigen drei Seminarwochen wurden den Trainees zunächst die Grundsätze der Projektplanung vermittelt, die mit der Sammlung erster Projektideen und -wünsche verbunden waren. Hier zeigte sich, dass diese Projektvorschläge teilweise schon sehr konkret waren und sowohl Vorhaben im Artenschutz, im naturverträglichen Tourismus, als auch in der Umweltbildung beinhalteten. Die von den Trainees zunächst ins Auge gefassten Projektlaufzeiten erstreckten sich dabei teilweise über einen Zeitraum von mehr als 6 bis 12 Monaten, was den jeweiligen Themenvorschlägen durchaus angemessen war, jedoch im Rahmen des nur einjährigen (Pilot-)Gesamtvorhabens nicht zu realisieren gewesen wäre. So war es notwendig – um das Gesamtprojekt incl. der jeweiligen Teilnehmerprojekte in etwa im vorgesehenen Zeitrahmen abschließen zu können – hier eine Restriktion einzuführen. Vor diesem Hintergrund wurde den Trainees empfohlen, ihre Projektplanungen an einem Zeitrahmen von ca. 3 Monaten zu orientieren. Diese Einschränkung ist als nicht unerheblich einzuschätzen und hat im weiteren Verlauf des Planungsprozesses zu teilweise deutlichen Schwerpunktverschiebungen innerhalb der einzelnen Projektplanungen geführt. 

Im weiteren Verlauf der Seminare wurden die Trainees mit den Förderbedingungen der DBU vertraut gemacht und die jeweiligen Projektvorschläge im Rahmen einer Schreibwerkstatt zu Skizzen ausgearbeitet. Dabei wurde auch verdeutlicht, dass kein Automatismus zwischen der Einreichung eines Projektantrages und einer Förderung im Rahmen des Gesamtprojektes besteht, sondern ein Auswahlverfahren durch eine Jury durchgeführt wird. 

Eine Einführung in Grundsätze und Methoden der Projektevaluation war u. a. Gegenstand des Planungsseminars der dritten Seminarwoche und trug dazu bei, die Trainees für dieses Thema zu sensibilisieren, um entsprechende Maßnahmen für die eigenen Vorhaben einplanen zu können. Dieser Themenbereich wurde von den Trainees mit großem Interesse aufgenommen und wird im nächsten Schritt in die jeweiligen Projektpläne integriert werden.

2.2        Projektbegleitende Evaluation

Die projektbegleitende Evaluation des Vorhabens dient als Instrument der Qualitätssicherung und hat das Ziel, sowohl die Projektorganisatoren als auch Projektpartner und Förderinstitutionen mit regelmäßigen Feedbackinformationen zu versorgen. Sie ist als Selbstevaluation angelegt und orientiert sich methodisch an den Standards der Deutschen Gesellschaft für Evaluation. Das Evaluationskonzept enthält sowohl formative als auch summative Elemente.

Das Evaluationskonzept greift die Hauptelemente des Gesamtprojektes auf. Im Fokus stehen daher die Qualität der durchgeführten Seminare, eine Bewertung des Aufenthaltes der Trainees in den Gastinstitutionen, sowie der Verlauf und das Ergebnis der von den Trainees durchgeführten Planungen für ihre eigenen Projekte. 

Als Erhebungsinstrument – und damit auch als wesentliche Bewertungsperspektive – wurden vor allem Befragungen der Trainees, sowohl in Interviews als auch per Fragebogen, gewählt. Bezüglich des Traineeaufenthaltes in den Gastinstitutionen wurden sowohl die Trainees als auch die jeweiligen Betreuer befragt. 

3   Ergebnisse

3.1        Evaluationsergebnisse

Mit dem Abschluss der dritten Seminarwoche im September und der Auswertung aller bisher vorliegenden Evaluationsdaten soll an dieser Stelle ein Zwischenfazit des Seminarteils des NatuRegio-Projektes gezogen werden. Ziel der Seminare war es, den Trainees durch begleitende Qualifizierungs- und Beratungsmaßnahmen in Deutschland das fachliche Rüstzeug für die Implementierung eines modernen und zukunftsfähigen Naturschutzes in Verbindung mit Regionalentwicklung in ihren Heimatländern zur Verfügung zu stellen.

Wie die Evaluationsergebnisse zeigen, haben die Seminare dieses Ziel in den Augen der Trainees erreicht. Sie haben die angebotenen Seminarinhalte als neu, interessant, wichtig und nützlich für ihre Projektplanung eingestuft. Einzelheiten dazu werden im folgenden Abschnitt kurz erläutert.

3.1.1       Die Seminare

Die Analyse aller Evaluationsfragebögen im Anschluss an die Seminarwoche im September in Bezug zu den unter 2.2 genannten Zielen lässt aus allen Antworten schließen, dass die Seminarwochen inhaltlich und sprachlich den Erwartungen der Trainees gerecht wurden. Insbesondere die Tage, an denen Seminare zur Projektplanung stattfanden, wurden gut bis sehr gut bewertet, ebenso Seminare mit Themen, die einen Bezug zu den Projekten mehrerer Trainees haben (Konfliktmanagement, Umweltinterpretation (Environmental Interpretation) und Besuchermanagement). 

Im Einzelnen betrachtet, können folgende Ergebnisse für die drei Seminarwochen festgehalten werden: 

a) Fragen zur Nützlichkeit und Aktualität

Nach einer ersten Woche mit intensivem Training der englischen Fachsprache im Juli 2006 fiel die Beurteilung der angebotenen Inhalte insgesamt sehr positiv aus. Die Trainees bewerteten zwar einen Teil der im Seminar gebotenen sprachlichen Inhalte als bereits bekannt, gaben aber trotzdem den Seminarinhalten überwiegend „gute“ bzw. „sehr gute“ Bewertungen auf die Fragen nach Wichtigkeit, Informationsgehalt und der Nützlichkeit für ihre Projektplanung. Die Aufgabe des Seminars, die Sprachkenntnisse der Trainees auf dem Gebiet des Umwelt- und Naturschutzes aufzufrischen und zu erweitern, kann daher als erfüllt betrachtet werden.

Die Beurteilungen der in der zweiten Seminarwoche angesprochenen Themen Ökotourismus, Naturschutz (Bodenschutz), Anthropogene Einflüsse auf Ökosysteme, Konfliktmanagement, Biodiversität und Projektplanung durch die Trainees war ebenfalls überwiegend positiv. Für zwei Drittel der Trainees waren die gebotenen Informationen sowohl wichtig und interessant als auch nützlich für ihre Projektplanung. Damit trafen die Themen offensichtlich die Wünsche der Trainees und erfüllten ihre Erwartungen an das entsprechende Thema.

Die in der dritten Seminarwoche neben der Projektplanung angesprochenen Themen Umweltinterpretation und Besuchermanagement, Naturschutzgebiete in Schleswig-Holstein mit Anbindung an Tourismus und die Vorstellung der DBU-Richtlinien und Projekte erhielten bei der Beurteilung der Aktualität, Wichtigkeit und Nützlichkeit ebenfalls mehrheitlich gute bis sehr gute Bewertungen. Lediglich in zwei Fällen wurde die Aktualität der Informationen als gering bezeichnet.

Ein konkreter Wunsch aller Trainees war die Durchführung eines (englischsprachigen) Einführungskurses in das Geografische Informationssystem ArcGIS ArcView 9.x. Aufgrund der zeitlichen und finanziellen Begrenzungen des Projektes kann ein entsprechender Kurs im Rahmen dieses Seminars nicht mehr angeboten werden. Allein den drei deutschsprachigen Trainees wird im November 2006 die Teilnahme an einem fünftägigen ArcGIS-Kurs der NNA im Camp Reinsehlen ermöglicht. Im Falle eines möglichen Folgeprojektes sollte aber die Durchführung eines entsprechenden Kurses zusätzlich zu den anderen Fachseminaren oder als Bestandteil des regulären Seminarprogramms in Erwägung gezogen werden. 

b) Fragen zur didaktischen Aufbereitung der Seminare

Die durchgehend überaus positive Bewertung der didaktischen Form der Seminare durch die Trainees basiert sicher zum einen auf ihren guten Englischkenntnissen, die das Verständnis erleichterten. Zum anderen zeigt sich darin aber auch, dass die Qualität der angebotenen Seminare sehr gut ist und offensichtlich auch die Erwartungen der Trainees an den Inhalt und die Ausführung erfüllt worden sind. 

c) Allgemeine Bewertung der Seminartage

Auf die offen formulierte Frage nach allgemeinen Erwartungen an die Seminare bzw. evtl. fehlenden Inhalten wurden ganz überwiegend sehr positive Antworten gegeben. So finden sich hier durchgehend die Begriffe „klar“, „interessant“, „nützlich“, „gut“ bzw. „sehr gut“. In fünf von zehn Fällen finden sich kritische Antworten, darunter der Hinweis, dass ein Seminar aus Sicht des Trainees inhaltlich nicht stringent organisiert war und in zwei anderen Fällen wichtige inhaltliche Fragen nicht behandelt worden seien. 

3.1.2       Aufenthalte in den Gastinstitutionen

Im Rahmen einer Feedbackrunde nach ihrem ersten Aufenthalt in den Gastinstitutionen wurden die Trainees gebeten, ihre ersten Eindrücke zu schildern. Anhand von Leitfragen gaben sie Auskunft über ihre Einschätzung der Betreuung, ihre Tätigkeiten dort, über die Möglichkeit, Unterstützung für ihre Projektplanungen zu erhalten, und über die vorhandenen Austauschmöglichkeiten generell. 

Es zeigte sich, dass die grundsätzlichen Erwartungen der Trainees an ihren Aufenthalt überwiegend erfüllt wurden bzw. in zwei Fällen „mehr oder weniger“ erfüllt wurden. Alle fühlten sich in den Gasteinrichtungen willkommen. Es wurde jedoch auch deutlich, dass in fünf von zehn Fällen der Austausch auf sprachliche Probleme traf, die sich teilweise als regelrechte „Sprachbarrieren“ erwiesen. In diesen Fällen hat sich gezeigt, dass die Anzahl der englischsprachigen Betreuer und Mitarbeiter der Einsatzstellen zu gering war, um eine kontinuierliche Betreung der Trainees in der erforderlichen Intensität zu gewährleisten. Darüber hinaus bestand ein Problem darin, dass zu wenig englischsprachige Literatur über die Aufgabenbereiche der Trainees vorhanden war, um ein intensive Einarbeitung in bestimmte Themen zu ermöglichen.

Die Trainees trafen in den Gastinstitutionen auch auf Interesse an ihren eigenen Projektplanungen, so dass sie diese dort vorstellen konnten und in acht von zehn Fällen auch eine Zusage für weitere Unterstützung bei der Entwicklung der Projektideen erhielten. Unter Berücksichtigung der genannten sprachlichen Schwierigkeiten wurde die Kommunikation mit den jeweiligen Betreuern von der Mehrheit der Trainees als positiv eingeschätzt, in einigen Fällen war sie jedoch auch erschwert, z.B. durch begrenzte zeitliche Verfügbarkeit der jeweiligen Betreuer.

Ergänzend zu den Befragungen der Trainees werden im Projektverlauf sowohl nach der ersten als auch nach der zweiten Aufenthaltsphase der Trainees ihre Betreuer mit Hilfe von leitfadenorientierten Telefoninterviews auf ihre Erfahrungen mit den Trainees hin befragt. Aufgrund der kurzen Zeitspanne zwischen dem Ende der ersten Aufenthaltsphase (17.09.06) und dem Abgabetermin des Zwischenberichts liegen derzeit nur die Ergebnisse von vier Telefonbefragungen vor.

Grundsätzlich schätzen alle vier Befragten ihre Erfahrungen mit dem Traineeprogramm als positiv ein, wobei in einem Fall auf das Sprachproblem hingewiesen wurde. Die Arbeitsbelastung durch die Trainees wird von gering (1) über mittel (2) bis hoch (1) eingeschätzt. In einem Fall ist die Frage, ob es möglich war, den Trainee in die Arbeit der Einrichtung einzubinden, mit „Ja“, in zwei Fällen mit „teils-teils“ und in einem Fall mit „Nein“ beantwortet worden. Im letzteren Fall war die Sprache das Hauptproblem. Die sprachlichen Verständigungsmöglichkeiten waren in einem Fall problemlos möglich (dies betraf einen deutschsprachigen Trainee), in zwei Fällen teilweise schwierig und in einem Fall sehr schwierig. In drei Fällen fühlten sich die Betreuer ausreichend über Ziele und Hintergründe des Traineeprogramms informiert, in einem Fall weniger gut. Für alle Befragten ist die Zusammenarbeit oder der Austausch mit internationalen Partnern für die Einrichtung wichtig oder sehr wichtig. Die offen formulierten Empfehlungen der Befragten zielen auf Möglichkeiten zur Überwindung der Sprachbarrieren ab, auf eine mögliche Änderung der Aufenthaltszeiten in den Einsatzstellen sowie auf einen besseren Informationsaustausch im Vorfeld der eigentlichen Aufenthaltsphase. Als Schwierigkeit wurde in zwei Fällen die Unterbringung der Trainees genannt. Alle vier Befragten erklärten sich bereit, auch zukünftig wieder einen Trainee aufzunehmen, wobei in Einzelfällen bestimmte Bedingungen genannt wurden (deutschsprachig, aus Großschutzgebiet, Fähigkeit zur selbständigen Arbeit, inhaltlich passende Qualifikation).

3.2        Entwicklung und Implementierung der Teilnehmerprojekte

3.2.1        Themenfelder

Wie bereits im Abschnitt 2.1.4 ausgeführt, hat die Notwendigkeit, die Teilnehmerprojekte innerhalb eines engen Zeitrahmens vor Ort zu implementieren, teilweise zu Modifikationen der ursprünglichen Projektvorschläge seitens der Trainees geführt.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht zum aktuellen inhaltlichen Planungsstand (Stand: Sept. 2006).

Nr.

Projektarbeitstitel (vorläufig) 

1

Situation and monitoring of the Lutra lutra population in Putna Vrancea 

2

Know-how Transfer und Methodenentwicklung zur Schaffung einer Geodatenbasis zur Verwaltung von Schutzgebietsgrenzen 

3

Creation of an identifying common image of the Rila Monastery Nature Park as part of a future general interpretation programme. 

4

Ecological education by means of a touristic educational trail in the Domogled-Cerna Valley National Park 

5

Development of an information network for the Maramures County 

6

Development of a visitor-monitoring system at Vitosha Nature Park 

7

Development of an information campaign on Natura 2000 for the administration of local municipalities in Bulgaria 

8

Management of motor-cycling in protected areas and visitor-management – the example of Cheile Bicazului-Hasmas National Park 

9

Nature in the eyes of local communities in the Danube delta 

10

Breeding Conditions of birds and the waterlevel regulation in Poda


Die Projektvorschläge enthalten eine große Bandbreite von Themen und bilden recht gut die aktuelle Situation bzw. Problemlagen des Umwelt- und Naturschutzes in Rumänien und Bulgarien ab.

3.2.2        Evaluationsergebnisse zum Prozess der Projektplanung in Deutschland

Wie bereits die Evaluationsergebnisse zu den inhaltlichen Bewertungen der Seminare gezeigt haben, werden die Seminaranteile, die dem Thema „Projektplanung“ gewidmet sind, überwiegend sehr positiv von den Trainees eingeschätzt. Gleichzeitig wurde insbesondere in der ersten Seminarwoche der Wunsch nach Unterstützung und Beratung bei der Ausarbeitung und Beantragung der Projektidee deutlich. Entsprechende Inhalte der zweiten und dritten Seminarwoche wurden sehr positiv aufgenommen. 

Für die erfolgreiche Implementierung der Vorhaben wird es von entscheidender Bedeutung sein, dass die von den Trainees geplanten Projekte von den jeweiligen Heimatinstitutionen aktiv unterstützt werden. Um dies sicherzustellen, hielten sich die Trainees nach dem 18.9.06 für drei Wochen wieder in ihren jeweiligen Einrichtungen auf, um Projektdetails vor Ort abzustimmen und evtl. notwendige Modifikationen vornehmen zu können. Das Ergebnis dieser Rückkopplungsgespräche wird während des nächsten Planungsseminars im Oktober aktiv aufgegriffen werden und in die jeweiligen Planungen einfließen. 

Unmittelbar vor Rückkehr in ihre Heimatinstitutionen wurden die Trainees per Interview dazu gefragt, wie sie ihre Chancen einschätzen, ihre Projektplanungen mit Vorgesetzten, Kollegen und Partnern soweit abzustimmen, bzw. evtl. noch soweit zu ergänzen, dass ein reibungsloser Projektstart im Januar 2007 gewährleistet werden kann.

Die Antworten auf diese Frage waren ganz überwiegend optimistisch. Acht der Trainees erwarteten keine größeren Schwierigkeiten. In zwei Fällen erschien der Zeitraum von drei Wochen für diese Phase, nicht zuletzt auf Grund eigener hoher Arbeitsbelastung, bzw. wegen noch etwas unklaren Planungen, etwas knapp. 

Die insgesamt sehr hohe Motivation der Trainees hinsichtlich Planung und Implementierung ihrer eigenen Projekte, die im Verlauf der Seminare immer wieder deutlich wurde, lässt eine erfolgreiche Umsetzung und auch dauerhafte Fortführung der Projekte vor Ort erwarten. Für die zukünftige Entwicklung und Umsetzung von Teilnehmerprojekten ist jedoch unbedingt eine längere Projektlaufzeit für die Vorhaben vorzusehen, da eine ca. dreimonatige Projektlaufzeit unter den aktuellen Bedingungen in Rumänien und Bulgarien an der Grenze der zielgerichteten Realisierbarkeit liegen dürfte.  

4             Zusammenfassung und Ausblick

Nach sechsmonatiger Laufzeit des Pilotprojektes „NatuRegio“ ist festzustellen, dass Konzeption und Durchführung des Traineeprogrammes gut geeignet erscheinen, die gesteckten Ziele zu erreichen. Die Verbindung von dezentralen Gastaufenthalten der Trainees in deutschen Einrichtungen des Umwelt- und Naturschutzes mit zentral durchgeführten Seminarwochen und der parallelen Entwicklung eigener Projektpläne- und Anträge durch die Trainees erweist sich als gelungene Mischung von Weiterbildungselementen in diesem Programm. 

Zielgruppe, Traineegewinnung

Die Zielgruppe der „young professionals“ (Alter 25 bis 40 Jahre) in rumänischen und bulgarischen Umwelt- und Naturschutzverwaltungen und Nichtregierungsorganisationen fühlte sich offensichtlich durch das Programm angesprochen, so dass sich – trotz relativ kurzfristiger Bekanntmachung des neuen Programms – weitaus mehr Personen bewarben als aufgenommen werden konnten. Die Zusammenarbeit mit den Botschaften und den Projektpartnern vor Ort (Europarc und Euronatur) hat hier zur schnellen Informationsverbreitung und Werbung wesentlich beigetragen. Die Tatsache, dass innerhalb der in Rumänien und Bulgarien angesprochenen staatlichen Organisationen und Verwaltungen zur internen Weitergabe der Informationen über das Traineeprogramm und die Bewerbungsmöglichkeiten von Mitarbeitern vielfach „top-down“-Ansätze gewählt wurden, entspricht einerseits den üblichen Verfahrensweisen in den Institutionen, ist jedoch andererseits ein Moment, über das im weiteren Verlauf des Projektes nachzudenken sein wird. Im Sinne partizipativer Ansätze für Zugangsmöglichkeiten zu Qualifizierungsmaßnahmen scheint hier noch ein Verbesserungspotential für die Projektfortsetzung vorhanden zu sein. 

Aufenthalte in Gastinstitutionen

Die bundesweite Ansprache von Naturschutzorganisationen und Großschutzgebietsverwaltungen hinsichtlich der Bereitschaft, einen Trainee aufzunehmen und zu betreuen, hat zu einer insgesamt positiven Resonanz geführt, so dass mehr Traineeplätze zur Verfügung standen, als in dieser ersten Phase benötigt wurden. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang, dass neben der Bereitschaft einen Trainee aufzunehmen, auch die tatsächlichen, vor allem sprachlichen Möglichkeiten der Einrichtungen und Mitarbeiter vor Ort für den Gesamterfolg von Bedeutung sind. Hier zeigten die Evaluationsergebnisse, dass teilweise Sprachhürden zwischen Trainee und Betreuern recht hoch waren, da nicht alle Mitarbeiter der Gastinstitutionen über ausreichende Englischkenntnisse verfügten, wenn die Trainees kein oder nur wenig Deutsch sprachen. Da die fließend deutsch sprechenden Trainees eine Minderheit innerhalb der Gruppe darstellten, werden die Projektpartner dieser Problematik und ihrer Bewertung bei der Weiterführung des Vorhabens verstärkte Aufmerksamkeit widmen. 

Seminare

Die angebotenen Seminare wurden von den Trainees mit großem Interesse aufgenommen und hinsichtlich ihrer Inhalte ganz überwiegend sehr positiv bewertet. Die Integration von Seminareinheiten zur Projektplanung als regelmäßig wiederkehrendes Element hat sich bewährt und ist ein wichtiges Instrument zur Unterstützung der Trainees bei ihren eigenen Projektplanungen.

Die Möglichkeit, im Rahmen des Gesamtvorhabens eigene Projekte zur Umsetzung in Rumänien oder Bulgarien zu planen und dafür Mittel einzuwerben, wurde von den Trainees mit großem Engagement aufgenommen und genutzt und dürfte eine der wesentlichen Motivationen für die Teilnahme am Traineeprogramm sein. Im Hinblick auf eine Weiterentwicklung des Programms ist jedoch unbedingt zu beachten, dass zukünftig längere Laufzeiten für die Teilnehmerprojekte einzuplanen sind, um Projektumsetzungen auf hohem, international vergleichbarem Niveau sicherzustellen. In diesem Zusammenhang erscheint auch erwähnenswert, dass zu Beginn der Projektplanungsphase von zwei Trainees die Planung eines grenzüberschreitenden bulgarisch-rumänischen Projektes angedacht worden war. Diese Idee musste dann jedoch im weiteren Verlauf fallen gelassen werden, da eine Realisierbarkeit nur bei langfristigerer Planung gegeben schien. Ein sehr positiver Aspekt ist die Tatsache, dass einer der Trainees mit seiner Gastinstitution über das eigene Projekt hinaus bereits ein zweites Twinningvorhaben für eine längerfristige Kooperation ins Auge gefasst hat. 

Ausblick

Die bisher erzielten Ergebnisse bieten aus Sicht der Projektpartner eine sehr gute Basis für eine längerfristige Fortsetzung des Programms. Erfahrungen bezüglich einiger operativer Aspekte (Informationsverbreitung in Rumänien und Bulgarien, Laufzeiten von Teilnehmerprojekten, Sprachkompetenzen von Beteiligten) werden zukünftig zu berücksichtigen sein. Insoweit hat die Durchführung des Vorhabens als insgesamt einjähriges Pilotprojekt bereits nach sechs Monaten wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen erbracht. Es ist zu erwarten, dass eine Fortsetzung des Traineeprogrammes einen nennenswerten, aktiven Beitrag sowohl zur Förderung eines zukunftsorientierten Umwelt- und Naturschutzes in Verbindung mit moderner Regionalentwicklung in Rumänien und Bulgarien leistet, als auch zur Integration dieser Länder in die Europäische Union beiträgt.

 

 

 
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